Myogadays Interview mit Chiaradina (Deutsch) Teil 2:

Was bedeutet Spiritualität für dich und wie lebst du diese? 

Spiritualität bedeutet für mich zu erkennen, dass wir durch alle unsere Handlungen (die wiederrum auf bewussten Entscheidungen beruhen) etwas bestimmtes bejahen und verstärken und es unsere Aufgabe ist, für uns selbst die Klarheit zu erlangen, warum wir dies in der Schöpfung hervorheben wollen – oder lieber bleiben lassen. Nicht jede Handlung hat bei verschiedenen Menschen den gleichen inneren Fokus oder Schwerpunkt – oder um einen Metapher zu benützen: Eine Person arbeitet im Garten, weil sie das harmonische Zusammenspiel mit der Natur liebt und alles Mögliche über Pflanzen, Tiere und Samen lernen will, eine Andere vielleicht weil sie frei von äusseren Abhängigkeiten ihre Existenz absichern will und ihre eigene Nahrung produzieren will. Natürlich schliesst sich Beides letztendlich nicht exklusiv aus: Dieses Beispiel soll nur verdeutlichen, dass wir auch irgendwann die Demut erreichen können, Andere nicht mehr von Aussen nach unseren eigenen, auf sie projezierten Kriterien zu beurteilen, sondern uns ehrlich darauf zu konzentrieren, wie gut die Kommunikation mit dem Sein bei uns selbst funktioniert, wie klar wir in unserer Wahrnehmung sind, wie gut informiert und wie fähig, unsere Erkenntnisse und Entschlüsse trotz Angst oder möglicher Ablehnung im Aussen umzusetzten.

Für mich ist gelebte Spiritualität jeden Tag ehrlich zu mir selbst zu sein, zu hören, welche Botschaften für mich aus dem Universum und aus meinem Herzen kommen, die verschiedenen Qualitäten der Energie unterscheiden zu können und das Vertrauen zu entwickeln, meiner Führung zu folgen wenn die Frequenz der Botschaft Liebe und eine transzendente Intelligenz vermittelt. Das hört sich alles so super einfach an – aber verlangt manchmal schon ganz viel Mut. Aber wer den Weg geht und die Kanäle für den Austausch immer offen hält wird mir zustimmen, dass sich die Entwicklungsspirale immer nach “oben” bewegt – und je länger man den Weg geht, immer mehr Liebe, Verständnis und Verstehen und vor allem Dankbarkeit und Staunen über die perfekte Harmonie, Ehrlichkeit und Schönheit des Lebens eintritt.

Welchen Stil(e) unterrichtest/praktizierst du und warum gefällt dir dieser Stil? Was ist das Besondere daran? Hast du Vorbilder? Oder hast du deinen eigenen Stil kreiert? 

Vorbilder empfinde ich persönlich als einen irreführenden Begriff, da es beinhaltet, etwas oder jemanden ausserhalb sich selbst (oder sogar einem äusseren Bild) nachzustreben. Mein derzeitiger Unterrichtsstil ist geprägt von all den Stilen und Lehrern, mit denen ich im Laufe meines Lebens bis jetzt die Freude hatte, praktizieren zu können und von denen ich gelernt oder auch zertifiziert wurde – fast alle sind direkte Nachkommen der Sri Tirumalai Krishnamacharya Linie. 

Am einflussreichsten war für mich (nicht in der Reihenfolge einer Wichtigkeit):

Ashtanga mit seiner Klarheit in der Ausrichtung, Leistungs-orientiertheit und Disziplin.

Shiva Rea hat in Ihrem System des “Prana Flows” das “Pulsieren auf einer Quantumebene als Bewusstseinswelle” mit dem Vertrauen in spontan aufkeimende Schöpfungsimpulse (“Spanda”) vereint und uns damit eine immer wieder neue Evolution in Etappen (“Kramas”) innerhalb einer Klasse in verschiedenen Schritten ermöglicht. 

 

Andrey Lappa ist für mich der Vater des 360 Grad Flusses auf der Matte (und innerhalb des Bewusstseins) – während ich von Sadie Nardini die Wichtigkeit unsere Mitte (“core”) nicht nur zu trainieren, sondern auch alle Bewegung daraus entstehen zu lassen, mit auf die Matte genommen habe. 

 

 

Paul & Suzee Grilley, die gemeinsam mit Denise Kaufmann die Begründer von Yin Yoga sind, haben in mir ein fundamentelles Verständnis fuer die strukturellen Varianten des Stütz- und Bewegungsapperates und wie dies die individuelle Yogapraxis beeinflusst mit auf den Weg gegeben.

 

 

Eine weitere meiner Lehrerin ist Kathryn Budig – einfach weil sie nicht nur auf allen Ebenen so viel drauf hat, sondern auch super “down to earth” ist und mich zum Lachen bringt – für mich eine unverzichtbare Qualität in der heutigen Zeit. All das (und noch mehr) fliesst in meinen persönlichen Stil “Your Spirit Matters” ein - der, so wie ich, immer am Weg ist! 

 

 

Wie gestaltest du deinen Unterricht/deine Workshops/Reisen und wie vermittelst du Yoga deinen Schülern? Was ist dir wichtig, deinen Schülern mitzugeben? 

Viele Lehrer unterrichten Yoga aus dem Kopf oder der Erinnerung, während sie energetisch abgekoppelt durch die Reihen Ihrer Schüler wandeln. Das Üben und Lernen von Andrey Lappa und auch all meine persönliche Erfahrung mit Shiva Rea hat mir gezeigt, wie essentiell das Eintauchen in das Pranamaya Kosha Feld ist (das Feld des subtilen Energiekörpers) um den eigenen Körper als Instrument zu benutzen, Fluktuationen und spontan auftretende energetische Veränderungen innerhalb der Klasse gleich wahrzunehmen und sofort darauf reagieren zu können und das Quantumfeld damit anzuleiten.

Eine Yogaklasse, in der der Lehrer oder die Lehrerin nicht im Herz zentriert ist, ist sinnlos – jegliche Form der Verbindung, Heilung und Kommunikation läuft darüber ab. Schüler nehmen das sofort wahr – bewusst oder unbewusst!

Am Wichtigsten ist mir, dass Schüler lernen, dass alles, was sie auf der Matte oder dem Meditationskissen üben nur ein Ziel hat – es bewusst im Leben anzuwenden! Vor allem in Bereichen, wo unsere persönliches Aufgabengebiet liegt, ist das Leben oft kein “Honig lecken” und wir sind fast immer auf allen Ebenen gefordert. Damit dies nicht zu einer Überforderung wird, hilft uns eine anstrengende, physische Praxis in Verbindung mit dem Atem – so können wir lernen, auch unter Belastung ruhig zu bleiben, uns zu beobachten und auszurichten und in unserem Innersten entspannt zu bleiben.

Essentiell für mich ist auch, meinen Schülern eine Möglichkeit zu geben, üben zu können, auch wenn es momentan zeitlich oder finanziell für sie eine Herausforderung bedeutet – aus diesem Grund gibt es auf meinem YouTube Kanal “Chiaradina” viele gratis Yoga Videos! Von Videos für absolute Anfänger, Meditation, Mantras bis hin zu ganzen vollständigen Klassen ist für Alle etwas dabei!

Das letztendliche Ziel, das mir am Herzen liegt ist Schüler in bewusste Eigenverantwortlichkeit zu “entlassen” - ich glaube, das ist das, was unser Planet - und auch Gesellschaft - am meisten braucht!

Auf deinem Flyer steht „Ride the holistic wave of all transforming, intelligent openings“. Was heißt das?

Das spielt auf die schon vorher erwähnte Quantenebene des Bewusstseins an – wir sind alle keine “abgeteilten” Partikel, die alle nichts miteinander zu tun haben, sondern eben auch ein Bewusstseinsfeld (oder “Welle” in der Lichttheorie), in dem sich alle Teile untereinander unterstützen, herausfordern, helfen und gemeinsam weiterentwickeln. Eine bewusste Trennung (oder besser gesagt eine empfundene Abkopplung) vom umgebenen Feld kann nur einen Grund haben: Neudefinition und Entwicklung, die wiederum vom Feld wiedergespiegelt werden wird – Fast jeder kennt heutzutage schon die Hologramm Theorie und hat ein bisschen was vom “Matrix” Film annodazumal für sein Leben mitgenommen!

Meine Yogastunden sind bewusst als evolutionäre Welle geschaffen, die einen Anfang, einen Höhepunkt, auf den sich alles zubewegt und ein sanft auslaufendes Ende haben. Der physische Körper ist durch seine Verbundenheit mit allen anderen Ebenen und Dimensionen des Seins soetwas wie eine “Relais”- Station oder Umschaltzentrale, das heisst jede Öffnung, die wir im physischen System erleben, beeinflusst nachhaltig alle anderen Ebenen – und umgekehrt. Wenn wir nun also mit all unseren Sinnen, unserem Bewusstsein, durch eine bewusst intelligent strukturierte Klasse fliessen die uns in verschiedenen Stufen zu einer immer tieferen Öffnung führt, gleiten wir auf einer Quantenebene auf einem Feld einher, wo einer den anderen unterstützt. Jede Öffnung die wir innerhalb der Klasse erfahren – sei es auf einer physischen, emotionalen oder mentalen Ebene – beeinflusst dann nachhaltig und lebensbejahend unser ganzes Sein, aber auch alle anderen, die mit uns im Raum üben.

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