Myogadays Interview mit Chiaradina (Deutsch) - Teil 1:

Chiaradina – Frontfrau von YOUR SPIRIT MATTERS - spricht über Ihr Verständnis von Yoga und die "Kunst zu fliessen" (the “Art of Flow”).

Chiaradina ist unsere Cover-Yogini für den Monat Oktober. Wir wollten Sie ein bisschen besser kennenlernen und haben uns mit Ihr gemütlich zusammengesetzt um mit Ihr über Ihren persönlichen Yogaweg zu plaudern.

 

Wie und wann bist du zum Yoga gekommen? Warum praktizierst du Yoga? Warum hat es dich nicht mehr losgelassen?

2003 war das Jahr an dem ich mit meiner täglichen Ashtanga und traditionellen Pilates Praxis begonnen habe – einige Jahre zuvor, kurz nach meinem “Erwachen” ca 1995 (mehr darüber später) habe ich in Sivananda hineingeschnuppert, konnte mich aber mit der transportierten Energie und der Form, wie Yoga dort präsentiert wurde, nicht identifizieren. Mein tägliches Sadhana (heilige Übungsfolge) habe ich seit dem bis heute beibehalten – es gibt nur wenige Tage innerhalb eines Jahres, an denen ich nicht übe.

Zu Yoga gekommen bin ich, weil ich nach einem erprobten, ganzheitlich, spirituellen Heilungssystem gesucht habe, das mir hilft meine Transformation, die ich zuvor im mentalen, spirituellen und emotionalen Bereich erfahren hatte, in den physischen Körper zu integrieren. Als Jugendliche war mein einziges Ziel Gott zu finden, alles andere war zu dem Zeitpunkt zwar nette Unterhaltung aber konnte den Schmerz, “sich nicht ganz zu fühlen”, nicht heilen. Wenn mich Leute als Teenager gefragt haben: “Was willst du später einmal machen?” hab ich immer geantwortet, dass ich das nicht weiss, dass ich Gott finden will. Dafür bin ich des öfteren belächelt wurden oder habe Kopfschütteln mit dem Hinweis “ins Kloster zu gehen” geerntet. Ich bin meinem Herzen aber treu geblieben – und es war letztendlich auch mein Herz und die Liebe, die mir diese Erfahrung als junge Erwachsene dann ermöglicht hatte – mit Allem in einer Kraft der unendlichen Liebe zu verschmelzen, überall an allen Zeiten und Orten und in allen Herzen gleichzeitig zu sein, alles zu wissen und doch davon nichts in Worte fassen zu können weil das, was man fühlt und weiss nicht in menschlichen Begriffen strukturiert werden kann – sondern eben nur umschrieben und jede Definition das Ganze wieder limitiert. 

Für mich ist es ein grosser Schritt darüber öffentlich zu sprechen, aber ich glaube dass es wichtig ist, das Leute wissen, dass ich nicht aus einer Faszination an der physischen Ertüchtigung, weil es gerade “hip” wurde oder einem rein sportlichen Aspekt zu Yoga gekommen bin, sondern dass die Liebe zu “Gott” immer mein eigentlicher Lebensmotor war – und ich nach dieser alles veränderten Erfahrung ein jahrtausend altes erprobtes System brauchte, das mit geholfen hat physisch und energetisch das “auszuscheiden”, was dem neuen Weltbild der “Einheit und Liebe die hinter allem steht” nicht mehr dienlich ist. 

Das beantwortet auch gleich die nächsten Frage warum ich Yoga praktiziere und warum ich noch immer übe. Die Kommunikation mit und Führung von einer tieferliegenden Ebene mit einer höheren Perspektive ist ein nie endender Prozess! Auf der physischen Ebene der Realität, bei der es immer darum geht “einen Unterschied zu machen” und Dinge neu zu entwickeln und voranzutreiben ist keiner von uns je fertig, weil wir ja auch “die Ganzheit” verkörpern – auf einer Bewusstseinsebene geht es immer darum: Was konservieren wir? Was erschaffen wir neu? Warum? Welcher Qualität von Bewusstsein dient dies? In der zeitlichen Entwicklung der materiellen Ebene läuft letztendlich alles auf das Zusammenspiel von “Reflexion” (die Qualität des Mondes) und “Schöpfung” (die Qualität der Sonne) hinaus. Auch wenn über den physischen Körper alle Fäden (“Nadis”) - die alle Ebenen miteinander verbinden - zusammenlaufen, gibt es immer wieder verschiedene Aspekte, die wir – je nach unserer momentanen Anforderung im Leben – durch Üben verstärken wollen, um wieder in die Balance zu kommen. Egal ob es sich dabei um verschiedene Qualitäten und Aspekte innerhalb unserer Asana - Praxis handelt oder wir mehr subtilen Bereiche der menschlichen Existenz – die der Emotionen, Wahrnehmungen und Gedanken – betreten und mit Pranayama und Meditation arbeiten – alles soll zur richtigen Zeit seinen Platz haben und ist “notwendig”. Und bei Yoga ist es so wie mit dem Leben – je tiefer man eintaucht, desto mehr gibt es zu entdecken! Aber ohne Liebe ist nichts auf Dauer weiterzuführen.

Was bedeutet Yoga & Meditation für dich und wie hast du Yoga in dein Leben integriert? Lebst du asketisch oder frei von strengen Yoga-Dogmen?

Wie gesagt, ich empfinde Yoga als “living prayer” - als lebendes und lebendiges Gebet. Es geht nicht darum, was wir machen – also wie kompliziert oder einfach unsere Yogastellungen sind -, sondern wie wir es machen: welche Energie legen wir in unser Üben – oder generell in unsere Bewegungen? Welche Hingabe? Wie präsent und gegenwärtig sind wir? Schaffen wir es, eine Bewegung in diesem Moment einzigartig zu machen, sie vollkommen wahrzunehmen – auch oder vor allem wenn wir sie schon tausendmal gemacht haben? 

Die physische Praxis der Yogaasanas haben genauso wie Meditation (Vermittlung zwischen Ebenen) nur einen Zweck: Sie geben uns die Werkzeuge in die Hand, die uns in einen Zustand des Selbstrespekts, Demut, unendlichen Liebe und Dankbarkeit führen, in dem wir erkennen und leben können, dass das Leben (und grössere Ganze) uns immer dient – und wir immer dem Leben - solange wir balanciert danach streben, in unserer Mitte zu sein, eine herzzentrierte Existenz zu leben und die Kommunikation und Austausch mit unserer göttlichen Führung aufrecht zu erhalten. Das ist die Basis für ein selbst-bestimmtes, spirituelles Leben. 

Ob Meditation auschliesslich im Sitzen oder zum Beispiel auch bei einem ruhigen Spaziergang in der Natur stattfindet ist für mich keine Frage. Wichtig ist, mit beidem Erfahrung gesammelt zu haben und letzendlich immer freier von einer äusseren Form zu werden – was wie gesagt nur funktionieren kann, wenn man die äussere Form zuerst einmal kennenlernt! 

Was Askese und Dogmen anbelangt: Was für ein Individuum keinerlei Einschränkung bedeutet (zum Beispiel Veganismus ohne Alkohol) ist für einen anderen Menschen massiv überfordende Askese! Ich würde es mir nie anmassen, eine gültige Regel für Alle aufzustellen! Ich habe für mich meine “EINstellung” gefunden – darüber hier zu sprechen sprengt meiner Meinung nach den Rahmen dieses Interviews. Allgemein kann ich nur dazu sagen: Alles, dass dem Austausch mit der eigenen Führung, klarem Denken und Fühlen und der Fähigkeit, sich auch selbstkritisch zu beobachten im Weg steht stellt ein Hindernis zuf dem Weg dar und wird letztendlich zu Leid führen, weil die eigene innere Stimme ignoriert wird. Ich persönlich fühle, dass Regeln und Dogmen nur bis zu einem gewissen Entwicklungsgrad für einige Individuen von Nutzen sein können und ab einer gewissen spirituellen Stufe einen Verstoss gegen das kosmische Gesetz des freien Willens, bewusst die Ganzheit zu erkunden, darstellen. Wir alle ernten so und so die Früchte der Frequenz, die wir säen.

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